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Kirche Gehersdorf

Filialkirche Gehersdorf

Nebenkirche Gehersdorf der Pfarrei Zeilarn

2019_Kirche-Gehersdorf-1950
St. Johannis der Täufer, Gehersdorf. (Aufnahme um 1950)

Das im Güter­ver­zeich­nis des Bischofs Arno von Salz­burg, ange­legt um Jahr 788/ 790, erwähn­te Got­tes­haus zu ger­har­tes­dorf“, Gehers­dorf, dürf­te die zur Urpfar­rei Zei­larn gehö­ri­ge Tauf­kir­che gewe­sen sein. Einen Hin­weis dar­auf gibt wohl über das Patro­zi­ni­um Johan­nes der Täu­fer hin­aus auch der in die­ser Kir­che noch erhal­te­ne Mar­mor­tauf­stein mit hohem Fuß und klei­ner Scha­le in vor­go­ti­scher Gestal­tung, der etwa aus dem 13. Jahr­hun­dert stammt. Er kam ver­mut­lich in die Kir­che, als im 13. Jahr­hun­dert die Tauchtau­fen“, die Ganz­kör­pertau­fen abge­schafft wur­den. Bemer­kens­wert ist zudem, dass sich eine der hier sel­ten anzu­tref­fen­den Johan­nis­schüs­seln“ von guter Qua­li­tät, erhal­ten hat, wel­che den Stil­for­men nach dem spä­te­ren 15. Jahr­hun­dert zuzu­schrei­ben ist. 

Ver­mut­lich haben die Edel­leu­te vom Geschlecht de Ger­har­des­torf“ der Gebrü­der Chuon­ra­dus und Hade­ma­rus“ um 1179 eine Kir­che als Eigen­kir­che neben ihren unter­tä­ni­gen Höfen Stiglmai­er und Ober­mei­er erbaut[1]. Die­se spät­ro­ma­ni­sche klei­ne Kir­che wur­de ver­mut­lich in der ers­ten Hälf­te des 15. Jahr­hun­derts abge­bro­chen und durch die heu­ti­ge goti­sche Kir­che ersetzt. 

Im Jahr 1158 wird ein Ger­hoch de Ger­har­tes­dorf“ als Sie­gel­zeu­ge genannt[2]. In einem Rechts­ge­schäft hat Abt Gero, unter Zustim­mung von Her­zog Hein­rich des Löwen, zwei Höri­ge“ getauscht. Als Sie­gel­zeu­gen wirkt u. a. Chun­ra­dus de Ger­har­des­torf“ mit. Die­se Urkun­de datiert: vor 1179, Juni 3.“

2019_Kirche-Gehersdorf-Johannes info-icon-20px Foto: H. Lindner
Der Taufstein stammt vermutlich aus dem 13. Jahrhundert.Die „Johannisschüssel“ geht wohl auf die Erbauungszeit der Kirche (2. Hälfte des 15. Jahrhunderts) zurück und war ursprünglich an der dem vorgotischen Kirchenschiff zugewandten Kopfseite der Westempore angebracht .

In der Appia­ni­schen und Fink´schen Kar­te (11401296) ist Gerats­torf“ ver­zeich­net.[3] Die frü­he Besie­de­lung ist mit die­sen Hin­wei­sen gege­ben, eben­falls für das Bestehen der Kirche.

Die Johan­nis­kir­che von Gehers­dorf stammt wohl vom glei­chen Bau­meis­ter, dem Tau­ben­ba­cher Meis­ter“, wie die Kir­chen in Gum­pers­dorf, Reut und Tau­ben­bach. Alle die­se Kir­chen sind mit Figu­ra­ti­on aus­ge­stat­tet, für die der Name >Drei­par­al­lel­rip­pen­fi­gu­ra­ti­on< vor­ge­schla­gen wur­de.“[4]

Auch die frü­her am süd­li­chen Sei­ten­al­tar gestan­de­ne Holz­grup­pe der Pie­ta, eine spät­go­ti­sche Grup­pe des frü­hen 15. Jahr­hun­derts, wird als sehr kunst­voll ange­se­hen. Als um 1960 der aus dem Jah­re 1710 stam­men­de Hoch­al­tar ent­fernt wur­de, kam dafür die Pie­ta auf den neu auf­ge­stell­ten Hoch­al­tar. Im Jahr 1990 ist der Sei­ten­al­ter der Pfarr­kir­che Zei­larn in die­ser Kir­che als Haupt­al­tar auf­ge­stellt wor­den. Bei der im Jahr 2010/11 durch­ge­führ­ten Kir­chen­re­no­vie­rung wur­de die Pie­ta gegen­über dem Kir­chen­ein­gang an der Innen­wand befes­tigt. Der Haupt­al­tar erhielt dafür eine wert­vol­le, von einem hie­si­gen Künst­ler geschnitz­te Muttergottes. 

2019_Kirche-Gehersdorf-Pieta
Die „Gehersdorfer Pieta“ aus dem 15. Jahrhundert (unbekannter Meister)

Die­se sehens­wer­te Schnitz­fi­gur ent­stand um 1435, am Ende der Peri­ode des Wei­chen Stils[5]. Die frei­ge­leg­te alte Fas­sung trägt zu ihrer sehr aus­drucks­star­ken Wir­kung bei.“ 

Wei­ter heißt es im Kir­chen­füh­rer aus dem Jahr 2000 aus­zugs­wei­se: Die klei­ne, doch hoch­ragen­de und male­risch gele­ge­ne Kir­che erhebt sich über einem Tuff­stein­so­ckel in Sicht­mau­er­werk. Nur den Chor stüt­zen Stre­be­pfei­ler. Ihm liegt nörd­lich der ein­fa­che Sat­tel­turm mit gekup­pel­ten Fens­tern an, wel­che Mit­tel­säu­len aus Tuff­stein unter­tei­len. An der Süd­sei­te öff­net sich zum mitt­le­ren Lang­haus­joch das Por­tal mit Tuff­stein­qua­dern in der Laibung. 

Das ein­schif­fig Inne­re über­rascht infol­ge sei­ner wohl pro­por­tio­nier­ten, hoch­ragen­den Aus­ma­ße. Das Lang­haus zu drei Jochen glie­dern Wand­vor­la­gen in spit­zer Schild­bo­gen­stel­lung. Über den vor­ge­la­ger­ten Halb­rund­diens­ten ent­fal­ten sich auch hier die Rip­pen in >Drei­par­al­le­len-Figu­ra­ti­on<, berei­chert an den Kreu­zun­gen mit klei­nen Tel­ler­stei­nen. Vom Lang­haus lei­tet zum nahe­zu gleich­brei­ten Chor der wenig ein­sprin­gen­de Chor­bo­gen über. Des­sen Kan­ten sind mit Rund­stab und Keh­le pro­fi­liert. Dazwi­schen zeigt er eine brei­te gefass­te Vor­la­ge. Im Chor mit Vor­joch und Schluss in fünf Sei­ten des Acht­ecks tra­gen nur Diens­te die Rip­pen, die sich zu Sechser­ster­nen ent­fal­ten. Am Gewöl­be fin­det sich zün­geln­des Ran­ken­werk, und im Chor­schei­tel sind zusätz­lich kreis­run­de, flam­men­de Ver­zie­run­gen angebracht.“ 

Gegen­über dem Ein­gang in die Kir­che ist ein gut gear­bei­te­tes Holz­kreuz vom Anfang des 16. Jahr­hun­derts, das mög­li­cher­wei­se aus dem Umkreis der Lein­ber­ger­werk­statt stammt.“[6]

Inter­es­sant sind die noch aus der Erbau­ungs­zeit der Kir­che sicht­ba­ren Gerüst­lö­cher an der Außen­mau­er, die bei der letz­ten Reno­vie­rung (20082010) wie­der ver­wen­det wer­den konnten. 

Eine der zwei sehr alten Glo­cken hat den Zwei­ten Welt­krieg nicht über­stan­den. Eine der ältes­ten Glo­cken des Bezirks Pfarr­kir­chen hängt heu­te noch auf dem Kirch­turm in Gehers­dorf. Die Maria­hilfglo­cke“ dürf­te aus dem 13. Jahr­hun­dert stam­men, was durch ihre Form und die früh­go­ti­schen Majus­kel­um­schrif­ten als Guß­wer­ke des. 13. Und 14. Jahr­hun­derts kenn­zeich­nen [7]. Die zwei­te aus 1467 stam­men­de Glo­cke wur­de am 23. Janu­ar 1942 abge­nom­men, ein­ge­schmol­zen und ver­mut­lich das Metall für Kriegs­zwe­cke verwendet.

Die Sakris­tei­tür der Kir­che ist aus einem Stück Eichen­holz gehau­en: 185 cm hoch, 93 cm breit und 10 cm stark.


[1] Oswald J. Prof. Dr. Ost­bai­ri­sche Grenz­mar­ken“, 1959, Pas­sau, S. 153
[2] Eck­hardt Anton, Die Kunst­denk­mä­ler von Nie­der­bay­ern“, Bez. Amt Pfarr­kir­chen, S. 83
[3] Spir­kner B. Besie­de­lung des Amts­ge­richts­be­zir­kes Eggen­fel­den“, 1907, S. 58
[4] Dam­beck Franz, Dr.,“ Spät­go­ti­sche Kir­chen­bau­ten in Ost­bay­ern“, 1939, S. 104
[5] Haus­ho­fer Josef, Dr., Kir­chen der Pfar­rei Zei­larn“, 2000, S. 27
[6] Haus­ho­fer Josef, Dr., Kir­chen der Pfar­rei Zei­larn“, 2000, S. 27
[7] Eckardt Anton, Die Kunst­denk­mä­ler von Nie­der­bay­ern“, Bez. Amt Pfarr­kir­chen, S. 293