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Gottesdienste in der Filialkirche in Gumpersdorf

In Gumpersdorf finden an folgenden Tagen Gottesdienste statt:

Jeden 2. Mittwoch um 19:00 Uhr

Jeden 2. Samstag um 19:00 Uhr in der Sommerzeit

und um 16:00 Uhr in der Winterzeit

Gumpersdorf mit seiner Kirche St. Rupert

2019_Kirche-Gumpersdorf-Zeichnung
Zeichnung von Pfarrer Walter Pera im Jahr 1977

Erklä­rung:

Der Orts­na­me wur­de von dem im 12. und 13. Jahr­hun­dert leben­den Edel­ge­schlecht der Chun­bold“ abge­lei­tet. Um 1190 ist im Tra­di­ti­ons­ko­dex von Rans­ho­fen ein Orol­fus de Chun­bold­s­torf“ genannt. Die­ser Edel­mann kann der Schloss­herr von Gum­pers­dorf gewe­sen sein. 

Im Buch Beschrei­bung des Bezirks­amts Eggen­fel­den und der umlie­gen­den Gegend“ von Dr. Wulz­in­ger, kgl. Bezirks­arzt in Eggen­fel­den von 1878, wird Gum­pers­dorf wie folgt beschrieben:

Noch im Jah­re 1839 gehör­te das Dorf Gum­pers­dorf zum vor­ma­li­gen Land­ge­rich­te Eggen­fel­den, wo es dann als Gemein­de bil­dend hie­von abge­trennt und dem jet­zi­gen Bezirks­am­te Pfarr­kir­chen und der­ma­li­gen Land­ge­rich­te Sim­bach am Inn zuge­t­heilt wur­de. Die­ses Dorf gehört zur Pfar­rei Zeit­larn, zählt 66 Ein­woh­ner, 39 Gebäu­de und 1 Kir­che. Es liegt an der Haupt­stra­ße von Eggen­fel­den nach Brau­nau zwi­schen Ober- und Unter­tür­ken im Zeit­larn-Tha­le auf einer Anhö­he wo vor­mals in der Nähe der heu­ti­gen Kir­che das Schloß gestan­den hat. Des­sen Edel­ge­schlecht blüh­te schon vor dem 12. Jahr­hun­dert und kam in den Urkun­den wenig vor; es leb­te im 12. und 13. Jahrhundert.“ 

2019_Kirche-Gumpersdorf-Außenansicht

Die Kir­che St. Rupert in Gum­pers­dorf gehör­te schon immer zur Alt­pfar­rei Zei­larn, die erst­mals um 788 urkund­lich erwähnt ist. 

Im Güter­ver­zeich­nis von (Erz-) Bischof Arn von Salz­burg um 788 ist die Aus­sa­ge ad Tur­tin eccle­sia simi­li­ter“ = in der Tür­ken gleich­falls eine Kir­che, umstrit­ten. So könn­te die Kir­che von Gehers­dorf gemeint sein, aber auch die­se in Gumpersdorf. 

Der hei­li­ge Rupert ist einer der Apos­tel Bay­erns“ und Patron des Erz­bis­tums Salz­burg, gestor­ben 716

Der Salz­bur­ger Bischof Vir­gil war ein gro­ßer Ver­eh­rer vom hl. Rupert und hat vie­le Kir­chen auf die­sen Hei­li­gen ein­ge­weiht. Die­ser Bischof Vir­gil ist bereits im Jahr 784 ver­stor­ben und so dürf­te ein nach­fol­gen­der Bischof die Kir­che per­sön­lich ein­ge­weiht haben. Nach­ge­wie­sen ist der Edle Ortol­fus de Chun­bols­torf“ im Tra­di­ti­ons­ko­dex von Rans­ho­fen. Ob er oder sein Geschlecht zum Kirch­lein in Bezie­hung stand, ist jedoch nicht ersicht­lich.[1]

Unter­la­gen über eine frü­he­re Kir­che in Gum­pers­dorf konn­ten zwar nicht erse­hen wer­den, mit Aus­nah­me der Diö­ze­san­sta­tis­tik. Hier steht wört­lich: Gotisch mit Netz­ge­wöl­be, ein­schif­fig, Anfang des 14. Jahr­hun­derts erbaut.“[2].

Die Kir­che ist ein ein­fa­cher, außen unver­putz­ter Back­stein­bau mit nied­ri­gem, wohl noch roma­ni­schem Turm, des­sen Sat­tel­dach nur wenig über das Kir­chen­dach hin­aus­ragt. Das Kir­chen­in­ne­re zeigt, wie die meis­ten Kir­chen unse­rer Hei­mat, die Merk­ma­le des goti­schen Stiles. 

Das jet­zi­ge Kir­chen­schiff stammt aus der zwei­ten Hälf­te des 15. Jahr­hun­derts und die an der West­sei­te ein­ge­bau­ten Tuff­stei­ne wur­den teil­wei­se vom alten Mau­er­werk ver­wen­det. Der Turm könn­te von der vor­her an glei­cher Stel­le gestan­de­nen Kir­che sein. Die aus­drucks­star­ke Pie­ta dürf­te eben­so aus dem spä­ten 15. Jahr­hun­dert stam­men. Die im Inne­ren der Kir­che befes­tig­te Toten­ta­fel ent­hält alle 105 Namen, die wäh­rend der Pest­zeit von 1634 bis 1649 gestor­ben und inner­halb der heu­te noch bestehen­den Fried­hofs­mau­er beer­digt wur­den. Die­se Tafel beginnt mit den Wor­ten: Im Frey­tho­fe des lob­wür­di­gen Got­tes­hau­ses St. Rupert zu Gund­berts­dorf wur­den wäh­rend des Schwe­den­krie­ges bis zum Jah­re 1650 fol­gen­de, meis­tens an der Pest gestor­be­nen beerdigt.“

Ursprüng­lich waren im Glo­cken­turm zwei Glo­cken. Eine Glo­cke trug die Jah­res­zahl 1450 und die ande­re die Jah­res­zahl 1484. Auch dar­aus kann der Kirch­bau auf die Mit­te des 15. Jahr­hun­derts abge­lei­tet wer­den.[3] Die älte­re Glo­cke muss­te am 24. Janu­ar 1942 abge­nom­men und der Kriegs­in­dus­trie zum Ein­schmel­zen zur Ver­fü­gung gestellt werden.

In der Zeit von 1867 bis 1870, als Pfar­rer Ste­phan Bogner der Pfarr­herr der Pfar­rei Zei­larn war, hat­te die­ser dem Kir­chen­ma­ler Franz Xaver Zatt­ler, Wur­manns­quick, ver­schie­de­ne Auf­trä­ge erteilt, und zwar:[4] Malen des Hoch­al­tars und zwei Sei­ten­al­tä­re, eben­so den Kreuzweg, 

1871[5] wur­de vom Maler und Ver­gol­der Peter Alb­an­ger ein Kreuz­weg für den Preis von 168 fl. geschaffen.

Mit Schrei­ben vom 22. Mai 1894 wand­te sich die Kir­chen­ver­wal­tung Gum­pers­dorf an das Kgl. Bezirks­amt Pfarr­kir­chen. In die­sem Schrei­ben wird gebe­ten, dass die von der Kir­chen­ver­wal­tung Zei­larn geschenk­te Zei­lar­ner Kir­chen­uhr nicht am Kir­chen­turm ein­ge­baut wer­den soll, son­dern am neu erbau­ten Schul­haus in Gum­pers­dorf. Die Ein­bau­kos­ten über­nimmt der Schul­spren­gel Gum­pers­dorf und die Uhr bleibt im Eigen­tum der Kir­chen­ver­wal­tung Gum­pers­dorf. Die­sem Antrag wur­de ent­spro­chen[6].

Das Amt für Denk­mal­pfle­ge hat sich mit Schrei­ben vom 17. Mai 1924 an das Bezirks­amt Pfarr­kir­chen gewandt[7]. Dem Amt wur­de bekannt, dass die Gemein­de bzw. Kir­chen­ver­wal­tung Gum­pers­dorf die Absicht hat, den Kirch­turm von Gum­pers­dorf aus­zu­bau­en. Hier ein Aus­zug die­ses Schrei­ben: Der Turm erhebt sich nörd­lich am Chor der Kir­che und bil­det in sei­ner behä­bi­gen, qua­dra­ti­schen Anla­ge mit Sat­tel­dach einen male­ri­schen Bestand­teil des cha­rak­te­ris­ti­schen spät­go­ti­schen Kir­chen­bau­es in unver­putz­tem Back­stein. Der Turm steht reiz­voll in der Land­schaft. Es wäre bedau­er­lich, wenn er sei­ne Eigen­art ver­lie­ren wür­de, weil die Bevöl­ke­rung von dem fal­schen Ehr­geiz beseelt ist, ihn in Anpas­sung an die statt­li­chen Tür­me der Nach­bar­kir­chen auszubauen.“

Am 4. Juni 1924 ant­wor­tet der für die Pfar­rei Zei­larn zustän­di­ge Pfar­rer Josef Alt­manns­ho­fer dem Bezirks­amt Pfarr­kir­chen aus­zugs­wei­se wört­lich: Es wird mit­ge­teilt, dass weder das unter­zeich­ne­te Pfarr­amt noch der Herr Koope­ra­tor, der so viel in Gum­pers­dorf wirkt und her­um kommt, von die­ser Absicht je etwas gehört hat, so dass eine der­ar­ti­ge Absicht ernst­lich sicher nicht besteht.“

Die St. Ruper­ti­kir­che wur­de 1941 grund­le­gend renoviert.

2019_Kirche-Gumpersdorf-Innenansicht info-icon-20px Foto: www.kunstverlag-peda.de
Innenansicht der Kirche

Der Haupt­al­tar ist um 1670 ent­stan­den und zeigt das erneu­er­te Altar­bild des hl. Rupert.
Die bei­den Sei­ten­al­tä­re dürf­ten Ende des 18. Jahr­hun­derts ent­stan­den sein. Die wert­vol­le Pie­ta ist wohl um 1450, also aus der Früh­zeit der Kir­chener­bau­ung.[8]

Im Jahr 1990 muss­te die Ruper­ti­kir­che wie­der­um grund­le­gend, innen und außen, reno­viert wer­den. Auch die Kir­chen­mau­er muss­te teil­wei­se ganz neu gestal­tet werden.


[1] Hart­mann Maxi­mi­li­an, Ost­bai­ri­sche Grenz­mar­ken, Pas­sau, 1959, S. 153
[2] Hand­buch des Bis­tums Pas­sau, 1958, S. 732 – 737
[3] Gott­an­ka Josef, Lind­ner Her­mann J, Gum­pers­dorf, 2010, S. 562
[4] Hand­schrift­li­che Auf­zeich­nun­gen von F. X. Zatt­ler, im Pri­vat­be­sitz ein­ge­se­hen
[5] Staats­ar­chiv Lands­hut, w. o. Nr. 2897
[6] Staats­ar­chiv Traus­nitz, BezA/​LRA Pfarr­kir­chen, Rep. 164/14, Nr. 3095
[7] Staats­ar­chiv Traus­nitz, w. o. Nr. 3226
[8] Kir­chen der Pfar­rei Zei­larn, PEDA-Kunst­füh­rer Nr. 487/2000